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Zierplatte (Formella)
  • Zierplatte (Formella)
  • Platte
  • 13. Jahrhundert
  • Entstehungsort stilistisch: Venedig
    Erwerbungsort: Venedig
  • Marmor
  • 96 x 49 x 16 cm
  • Ident.Nr. 24
  • 1888 von dem Kunsthändler Marcato in Venedig angekauft.
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Museum für Byzantinische Kunst
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jürgen Liepe
Description
Die Reliefplatte schließt oben mit einem Kielbogen ab; ein Astragal mit tief ausgebohrten Zwischenräumen zwischen den Perlen und Scheiben bildet die Rahmenleiste, deren unterer Teil weggearbeitet ist. Vor einem Lebensbaum mit asymmetrisch abzweigenden Blättern und Ranken, zwei Blütenrosetten und einem Pinienzapfen als Bekrönung sitzt im unteren Teil ein jugendlicher Mann rittlings auf einem nach links stehenden Löwen. Der Jüngling trägt langes Haar und ist mit einem kurzen, gegürteten Chiton bekleidet. Mit seiner Rechten stützt er sich auf das zurückgewandte Löwenhaupt; mit der Linken ergreift er eine Frucht, um sie von dem Rankenbaum abzupflücken. Auf den unteren Zweigen sitzen Pfauen. Beide blicken, nach rechts gewandt, aus dem Bild heraus. In der oberen Zone erscheint links ein nach außen gekehrter, sich aufrichtender Greif mit zurückgewandtem Kopf. Unter seiner linken Vorderpranke und unter der Blütenrosette ringelt sich eine Schlange empor. Rechts oben sitzt seitlich auf einem Blattwedel ein Rad schlagender Pfau und blickt aus dem Bild heraus. Die den vorgegebenen Bildraum prall ausfüllende Komposition, deren Einzelteile in tief unterschnittenem und vollplastisch wirkendem Hochrelief gearbeitet sind, verschmilzt die verschiedensten Motive zu einer überaus vielschichtigen Bildaussage, deren Sinn sich nur schwer entschlüsseln lässt. In der Gruppe des Jünglings und des Löwen sind mehrere Traditionen zusammengeflossen, wie der auf einem Panther reitende Gott Dionysos, aber auch Herakles, der den nemeischen Löwen tötet, oder Simson, der den Löwen im Kampf bezwingt. Hingegen könnte das Ergreifen der Frucht an eine andere Heraklestat erinnern, nämlich an die Gewinnung der ewige Jugend verheißenden Äpfel der Hesperiden. Die Pfauen sind als Bewohner des Paradieses zu deuten, das durch den Lebensbaum versinnbildlicht wird. Der Greif hatte seit dem frühesten Altertum die Funktion eines Wächters, der Übles von Palästen, Heiligtümern oder Gräbern abwendet. Als Hüter des Lebensbaums tritt er auf die Schlange, um in ihr das Böse zu vernichten.


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