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Rechteckiger Besatz von einer Tunika mit menschlichen Figuren
  • Rechteckiger Besatz von einer Tunika mit menschlichen Figuren
  • Kleidung
  • verbale Datierung: 7.-10. Jahrhundert
  • Ägypten, Achmim ? (Land/Region)
  • Wolle & Leinen
  • Breite: 23,8 cm
    Höhe: 15,2 cm
  • Ident.Nr. 6965
  • 1903 Robert Forrer (Kauf)
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Museum für Byzantinische Kunst
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Antje Voigt
Description
Multimedia
Der rechteckige Besatz zeigt in stark abstrahierter Form eine figürliche Darstellung vor einem roten Hintergrund. Etwa in der Mitte ist eine nach links blickende Gestalt mit Nimbus in langem, grün-blau gestreiftem Gewand zu erkennen. Sie steht leicht erhöht auf einem Podest, das links spitz nach oben ausläuft. Vor sich hält sie ein vertikal unterteiltes Gebilde, durch das sie eine Hand steckt. Eine weitere Hand befindet sich in Schulterhöhe. Es ist nicht zu entscheiden, ob sie zu dieser Figur oder zum ausgestreckten Arm einer weiteren menschlichen Gestalt in ihrem Rücken gehört. Von dieser ist nur noch der Unterkörper, eingehüllt in ein grünes Kleid mit deutlich abgesetzter Saumborte, erhalten. Links im Bild springt ein Vierbeiner mit erhobenen Vorderpfoten auf die mittlere Gestalt zu. Über seinem Kopf ist ein großes winkelförmiges Objekt wiedergegeben. Kleine stilisierte Blätter, geometrische Formen und N-Motive dienen als Füllsel.
Die Bildmotive lassen sich nur durch einen Vergleich mit anderen Denkmälern deuten. In verständlicher Bildsprache sind sie zum Beispiel auf einem der neun zyprischen Silberteller aus dem sogenannten Lambousa-Schatz (7. Jahrhundert) mit Episoden aus dem Leben Davids nach dem ersten Buch Samuel 16, 1-31, 13 wiedergegeben. (Nikosia Inv. J 454). Dort sitzt rechterhand David mit seinem Instrument unter freiem Himmel, der durch Sonne, Mond und Sterne angedeutet wird. Unter der Leier flattert ein Mantelzipfel. Zu seinen Füßen erkennt man weidende Schafe. David hat seinen rechten Arm erhoben und richtet seinen Blick auf eine Gestalt in kurzer Tunika mit wehendem Manteltuch, die ihm von links entgegentritt. In der Linken hält sie einen langen Stab, mit der erhobenen Rechten scheint sie zu grüßen. Es ist der von Davids Vater Isai gesandte Bote (1 Sam 16, 12). Er kommt, um David, der gerade Schafe hütet, abzuholen und ihn zu Samuel zu führen.
Um genau diese Szene handelt es sich auch auf der Berliner Borte. Die Person in der Mitte ist als David zu identifizieren, das Gebilde in seiner Hand ist im Vergleich unschwer als Leier zu deuten. Das vierfüßige Tier darf man als Andeutung der Landschaft verstehen, in der David sich aufhält. Und sogar das große winkelförmige Motiv lässt sich mit Hilfe des zyprischen Silbertellers erklären: Gemeint ist das Himmelsegment mit den Gestirnen, welches hier bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist. Trotz der starken Stilisierung der einzelnen Motive erweist sich die Darstellung auf der Berliner Borte als ikonographisch ziemlich getreue Nachbildung des Silbertellers. Die gleiche Szene ist auf mehreren ägyptischen Wirkereien in etwas naturgetreuerer Ausführung als auf der hier vorgestellten Borte wiedergegeben (Antwerpen, The Phoebus Foundation, Inv. 382-03). Dort fehlen aber die landschaftlichen Details.

Cäcilia Fluck (2017)


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