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Ars moriendi; Von der Kunst des Sterbens
  • Ars moriendi; Von der Kunst des Sterbens
  • Buch
  • um 1465/70
  • Blockbuch
  • Höhe x Breite: 28 x 20,1 cm
    Bildmaß: 22,50 x 15,60 cm
  • Ident.Nr. Cim 2
  • Sammlung: Kupferstichkabinett
  • © Foto: Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Beschreibung
Als religiöses Erbauungsbuch zählte die »Ars moriendi« zu den Texten, die im späten Mittelalter in vielen Versionen weit verbreitet waren. Unter der Bedrohung von Krieg, Seuchen und Hunger, die fast die Hälfte der Bevölkerung Europas hinwegraffte, bewegte der Gedanke an den Tod und die Ungewißheit um das Heil der Seele, die Angst vor Fegefeuer und Hölle die Menschen. Ihrem Bedürfnis, in Gebet und Stärkung des christlichen Glaubens heilbringende Wirkung zu erfahren, gab die »Kunst des Sterbens« Hilfe, die Anfechtungen vor dem Tode zu bestehen. Der Verfasser der vermutlich kurz nach 1400 entstandenen Schrift ist nicht bekannt, aber wohl dem Gedankengut der »devotio moderna« verpflichtet. Mit Bildern versehene Texte erleichtern auch dem nicht Schriftkundigen das Verständnis. Zu Beginn der 60er Jahre des 15. Jahrhunderts wird die Blockbuchausgabe erschienen sein - zuerst in den Niederlanden -, die schon bald in zahlreichen Nachdrucken Verbreitung fand.
In fünf Bild-Text-Paaren werden Anfechtungen und Heilswirkung anschaulich vorgeführt. Den Versuchungen von falschem Glauben, Verzweiflung, Ungeduld, Hoffart und Geiz antworten Ermahnung zur Tugend und göttlicher Trost. Dabei sind die Versuchungen jeweils Teufeln auf Schriftbändern in den Mund gelegt, denen Gott und seine heiligen Helfer entgegnen und den Sterbenden ermutigen. Im Schlußbild, der elften Tafel, weichen die Teufel machtlos vor dem Kruzifixus vom Lager des Sterbenden, dessen Seele gerettet ist.
Das Berliner Exemplar ist die älteste bekannte Blockbuchausgabe, in der dem Bildzyklus mit Schriftbändern eine zugehörige Texttafel gegenübersteht. Der Stil der Holzschnitte weist auf niederländische Einflüsse in der Art des Roger van der Weyden und Dirk Bouts. Zu kontroverser Beurteilung führt der Zusammenhang mit der Folge der etwa gleichzeitigen Kupferstiche des Meisters E. S., die ihrerseits in Beziehung zu Zeichnungen in einer enzyklopädischen Handschrift im Londoner Wellcome Institute for the History of Mediane (ms. 49) steht. Demzufolge ist wahrscheinlich, daß beide Bilderfolgen -Holzschnitt und Kupferstich - auf thematische Vorläufer in Handschriften oder auch Wandmalerei zurückgehen, die eine neue Fassung in den Bild-Text-Kompositionen der Blockbücher und ihren gedruckten Nachfolgern gefunden haben.

Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 70f., Kat. II.2 (mit weiterer Literatur)


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