SMB-digital

Online-Datenbank der Sammlungen

Thronende Maria
  • Thronende Maria
  • Figur
  • um 1310/30
  • Entstehungsort stilistisch: Nordfrankreich (Region)
  • Buchsbaumholz
  • Höhe: 29,5 cm
    Breite: 15 cm
    Tiefe: 13 cm
  • Ident.Nr. 8015
  • Erworben 1918 als Schenkung aus der Sammlung James Simon, Berlin.
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Skulpturensammlung
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Antje Voigt
Beschreibung
Maria sitzt mit stark nach rechts gewandten Knien auf einer polygonalen, schlicht profilierten Thronbank; auf ihrem linken Oberschenkel stand ursprünglich der Christusknabe. Die gedrehte Haltung Marias, die sich vor allem am Oberkörper, aber auch in der gespannten Beinstellung zeigt, veranlasst den Betrachter, die Statuette von mehreren Seiten anzusehen. Über einem locker fallenden Kleid, unter dem sich Schultern und Brüste abzeichnen, trägt die Muttergottes einen Mantel aus schwerem Stoff. Lebendig sind die Falten auf der Manteloberfläche, auch wenn ihre Verläufe und Differenzierungen durch Abnutzung und Abarbeitung von Graten, die erwähnten Erneuerungen im Sockelbereich, die falsch ergänzte rechte Hand und besonders das Fehlen des Kindes zum Teil unverständlich sind.
Die Funktion der frühen Buchsbaumstatuetten aus dem 13. und frühen 14. Jahrhundert ist nicht dokumentiert, doch legen vor allem Übernahmen von Figurentypen aus der Elfenbeinskulptur nahe, dass sie wie diese der privaten Andacht gedient haben. Zudem deuten die wenigen Provenienzhinweise auf ein monastisches Umfeld. Für private Andachtsübungen konnte die Berliner Madonna auch in die Hand genommen, zumindest aber von allen Seiten betrachtet werden. Die sehr breite Bohrung an der Rück- und mehrere auf der Unterseite dokumentieren einen späteren Funktionswechsel; möglicherweise wurde die Statuette nun in einem Schrein oder Kabinett aufgestellt und sollte mit Dübeln gesichert werden.
Auch über die frühen Produktionsstätten von Buchsbaumstatuetten im 13. und 14. Jahrhundert ist wenig bekannt, immerhin sprechen aber die erhaltenen Stücke trotz einer relativ weiten Streuung für eine Konzentration in Nordfrankreich und den südlichen Niederlanden. Dorthin hat man die Berliner Sitzmadonna – ein in dieser Gattung eher seltener Typ – bislang auch eingeordnet. Der Stil der Statuette geht letztlich auf die Pariser Hofkunst des frühen 14. Jahrhunderts zurück.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)


SMB-digital steht unter einer
Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie bei der bpk-Bildagentur
unter www.bpk-bildagentur.de erhalten.