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Rassel und Zahnbeißer für Kinder
  • Rassel und Zahnbeißer für Kinder
  • Spielzeug
  • 16. Jahrhundert
  • Entstehungsort stilistisch: Deutschland
  • Koralle; Fassung Silber, getrieben, graviert
  • Objektmaß: 7,5 x 2,6 x 1,5 cm
  • Ident.Nr. F 679 c
  • Sammlung: Kunstgewerbemuseum
  • © Foto: Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Tino Sieland
Description
Der gerade gewachsene kleine Korallenast besitzt an seinem unteren Ende drei rudimentäre, vermutlich absichtlich gekürzte Verästelungen. Das obere Ende ist durch eine silberne Hülse gefasst, an der sich eine Öse für eine Kette oder ein Band befindet. Unterhalb der runden Deckplatte waren seitlich drei bewegliche Schellen angebracht, von denen eine in Verlust geraten ist. Etwa in der Mitte des Korallenastes befindet sich eine silberne Manschette, deren sehr flüchtig ausgeführter Randdekor darauf hinweist, dass es sich hierbei vielleicht um eine spätere Ergänzung handeln könnte. Die im Vergleich dazu sehr sorgfältig gravierten Verzierungen der mit einem Blattfries abschließenden Hülse machen eine Entstehung des kleinen Werkes im 16. Jahrhundert wahrscheinlich.
Der Anhänger diente als Rassel und als Zahnbeißer für Kleinkinder. Neben diesen praktischen Funktionen erwuchs ihm aus dem verwendeten Naturmaterial der Edelkoralle (Corallium rubrum) zugleich eine magische Bedeutung. Die vor allem im zentralen und westlichen Mittelmeer sowie an den benachbarten Küsten des östlichen Atlantik lebende rote Korallenart galt bereits im Alten Ägypten als Apotropaion. Die griechische Mythologie sah in Korallen die im Meer versteinerten Blutstropfen der Gorgo Medusa, die sie vergoss, als ihr Perseus das Haupt abschlug. Die damit verbundene Vorstellung, Korallen würden alles Unheil durch den Bösen Blick abwehren, war bis in die Neuzeit hinein weit verbreitet. Der Brauch Kleinkindern Korallenamulette umzuhängen, ist durch bildliche Darstellungen seit der Frührenaissance überliefert. Nördlich der Alpen breitete er sich vor allem seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus. LL


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