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Kowalski, Klaus: Muse macht Moneten
  • Kowalski, Klaus: Muse macht Moneten
  • Münze
  • 2015
  • Land: Deutschland (Land)
  • Material: Bronze, Stempelstellung: 12, Herstellungsart: gegossen
  • Gewicht: 715 g
    Durchmesser: 100 mm
  • Ident.Nr. 18248623
  • Sammlung: Münzkabinett | Medaillen | 20. Jh. bis heute (1900 bis heute)
  • © Foto: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Reinhard Saczewski
Description
Vorderseite: GELD / MACHT / KUNST. Medusa (Gorgo) mit heraushängender Zunge, langen Zähnen und Schlangenhaaren umfasst mit der rechten Hand eine Athenastatuette und mit der linken Hand drei große antike griechische Münzen: eine aus Athen mit ΑΘΕ, eine mit Kopf, die dritte mit Reiter.

Rückseite: KUNST / macht / MONETEN. Zu zentralem Gorgoneion strecken sich vier Hände, von denen eine Hand einen Auktionskatalog, eine weitere unten vier Geldscheine, eine andere acht Münzen und die vierte drei Geldscheine hält. Oben rechts Gewinnbeleg von Sotheby's. Rechts Signatur KO 2015.

Kommentar: Beitrag zur Medaillenedition und Ausstellung MUSE MACHT MONETEN 2016. - Klaus Kowalski thematisiert das zwiespältige Motto der Ausschreibung. Die zentrale Gorgo auf der Vorderseite versinnbildlicht die Macht. Sie hat Athena, das Symbol von Weisheit, Kunst und Handwerk, buchstäblich fest in der Hand. Das Ergebnis dieser Kombination von Macht und Muse sieht man im linken Arm der Gorgo: es ist das Geld. Auch dessen im beständigen Wandel begriffene künstlerische Ausgestaltung, verkörpert durch das wirkmächtige Eulenmotiv der Athener Prägungen im Vordergrund und andere Münzmotive im Hintergrund, ist das Ergebnis dieser Liaison zwischen Macht und Kunst. Gorgo repräsentiert hier also eine positive kulturelle Macht, die Kowalski selbst 'magisch' nennt. In der antiken Mythologie ist Gorgo die Mutter des Flügelpferdes Pegasos, das auch Musenross genannt wurde und eng mit der Dichtkunst verbunden ist. Die Verbindung zur Kunst ist ihr also wesensmäßig zu eigen. Neben der schöpferischen Kraft beinhaltet diese Macht jedoch auch ein furchteinflößendes Element. Gorgo pflegt mit ihrer Magie ihr Gegenüber in den Bann zu ziehen und zu hypnotisieren. So verwandelt sie im antiken Mythos jeden, der ihr direkt in die Augen schaut, in Stein. Auf der Rückseite ist von ihrer Wirkkraft jedoch nichts übrig geblieben. Der Betrachter sieht nicht mehr die lebendige mythische Figur, sondern nur mehr eine körperlose Maske, ein Artefakt. Aus der Gorgo ist ein Gorgoneion geworden. Vorher Subjekt, ist sie nun das Objekt, und zwar das Objekt der Begierde: von verschiedenen Seiten nähern sich ihr Hände, die sie als Kunstobjekt erwerben wollen. Das Machtverhältnis ist pervertiert, und ähnlich ist das Kulturverständnis in eine Schieflage geraten. Stellvertretend für das Profitstreben der Kunsthäuser steht hier das Londoner Auktionshaus Sotheby's, das regelmäßig Rekordgewinne erzielt. Ein Interessent gleicht das angebotene Gorgoneion noch mit der Abbildung im Auktionskatalog ab. Andere bieten bereits verschiedene Beträge an. Kowalski spielt auf seiner Medaille also mit den Koordinaten Muse, Macht und Moneten, indem er die Beziehung, in der sie auf der Vorderseite zueinander stehen, auf der Rückseite umkehrt: Die buchstäbliche Kehrseite der Medaille besteht darin, dass hier die Münzen (einst Kunstprodukt, nun Machtobjekt) das Gorgoneion (einst Machtsubjekt, nun Kunstobjekt) zur Ware degradieren.

Literatur: A. Küter - B. Weisser, Kunst prägt Geld: MUSE MACHT MONETEN. Das Kabinett 16 (2016) 216 f. Nr. C 16 mit Abb. (dieses Stück).

Weitere Informationen zum Objekt finden Sie hier: http://ikmk.smb.museum/object?id=18248623


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