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Plakette mit dem Udjat-Auge
  • Plakette mit dem Udjat-Auge
  • Fliese (Architektur)
  • Heinrich Brugsch (18.2.1827 - 9.9.1894), Grabungsleiter
  • Spätzeit–frühe Ptolemäerzeit
  • Hawara (? / Ägypten / Fayum)
  • Fayence (Material), grün
  • 10,4 x 10,7 x 1,9 cm
  • Ident.Nr. ÄM 11816
  • Sammlung: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung | Ägyptisches Museum
  • © Foto: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Sandra Steiß
Beschreibung
Dieses Fragment, dessen Fundort unbekannt ist, wurde aus weißer bis hellgrauer Fayence mit einer hellgrünen bis türkisfarbenen Glasur gefertigt und muss im vollständigen Zustand ungewöhnlich groß gewesen sein. Die einzige Aussage, die hier mit Sicherheit getroffen werden kann, lautet, dass die Tafel einst eine Schutzfunktion übernommen haben muss. Bemerkenswert sind die Ausmaße, die nur mit wenigen Exemplaren verglichen werden können. Das beschädigte Motiv lässt eine ursprünglich rechteckige Form vermuten. Es handelt sich hierbei um das Fragment eines nach rechts gerichteten Udjat-Auges, welches von einem erhabenen Rahmen eingefasst wird und die Bildfläche komplett ausfüllt. Zu erkennen ist das nur noch zur Hälfte erhaltene menschliche Auge mit dem geschwungenen Bogen einer Braue, der einen mittigen Grat aufweist und an den Seiten um ein Strichmuster ergänzt wurde. Parallel dazu verläuft der charakteristische, lang gezogene Schminkstrich sowie am unteren Lid das nur noch zu erahnende, schneckenförmig eingedrehte Liniengefüge.
Das Augen-Symbol hat seinen Ursprung in der ägyptischen Mythologie und begegnet uns auf unzähligen Artefakten verschiedenster Art. Es besitzt nahezu immer eine apotropäische Bedeutung. Das Wort Udjat bedeutet „das Heile“ und wurde später von den Griechen übernommen. Je nach Auslegung haben wir es hierbei mit dem in dem Osirismythos vorkommenden Mondauge des Lichtgottes Horus zu tun oder aber mit dem heilsbringenden Sonnenauge des Re. Letzteres ist wahrscheinlicher, zumal es sich hierbei um das rechte Auge des Gottes handelt und die ikonographischen Darstellungen dieses bevorzugen.
Wo die vorliegende Plakette einst angebracht war, ist nicht eindeutig zu bestimmen, zumal sie sich zeitlich nur annähernd einordnen lässt. Zwei von ursprünglich vier Schnürösen an den Ecken sind noch vorhanden und legen nahe, dass das Objekt nicht bloß auf einem Gegenstand auflag, sondern festgebunden oder aufgehängt war. Vorstellbar ist, trotz der Größe des Artefakts und der eher groben Ausführung, die Nutzung als aufgenähte Schutztafel. Andere Objekte dieser Art bedeckten die Bauchwunde, die dem Toten im Zuge der Mumifizierung beigelegt wurde.
(Jana Helmbold-Doyé)


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