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Blau bemaltes Vorratsgefäß mit Lotosgirlanden-Dekor
  • Blau bemaltes Vorratsgefäß mit Lotosgirlanden-Dekor
  • geschlossen (Gefäß)
  • Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG), Auftraggeber
    Borchardt, Ludwig (5.10.1863 - 12.8.1938), Grabungsleiter
  • Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
  • P 49.08 (Kleinhausgruppe) (Ägypten / Mittelägypten / Amarna)
  • Ton, gebrannt (Material); bemalt
  • 35,5 x 25,5 cm
  • Ident.Nr. ÄM 22597
  • Schenkung James Simon, 1920
  • Sammlung: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung | Ägyptisches Museum
  • © Foto: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Sandra Steiß
Beschreibung
Charakteristisch für die amarnazeitliche Keramik ist das farbige Dekor, vor allem die matte, kobaltblaue Bemalung. Das Vorratsgefäß mit voluminösem Körper und abgerundetem Boden ist ein gutes Beispiel einer solchen mit kobaltblauen Pigmenten dekorierten Keramik aus Tell el-Amarna.
Drei waagerecht angeordnete Ornamentbänder, die Girlanden bestehend aus den Blütenblättern des blauen Lotus nachbilden, zieren die obere Hälfte des Gefäßes. Direkt an der untersten Girlande anschließend rahmen zwei blaue Doppelbänder einen Bildstreifen ein. Zwischen den beiden Doppelbänden sind aufgereihte, offene Lotusblüten, die jeweils von zwei Knospen flankiert sind, aufgemalt. Die Bemalung wurde auf einer lachsfarbenen Überzugsschicht in den Farben Rot, Schwarz und Blau vor dem Brand aufgetragen, wobei Schwarz und Rot lediglich der Umrahmung und der Zeichnung der Musterdetails dienten. Nach dem Brennprozess sind die Farben wasserfest geworden. Daher konnten derartige Gefäße zur Aufbewahrung und Bereitstellung von Flüssigkeiten eingesetzt werden.
Die blaue Lotusblüte, die sich am Morgen öffnet und bei Sonnenuntergang geschlossen unter Wasser taucht, wurde mit dem täglichen Sonnenlauf assoziiert. Dem ägyptischen Schöpfungsmythos folgend steigt der jugendliche Sonnengott jeden Tag auf einer Lotusblüte aus dem Urgewässer empor. Dadurch wurde der Lotus zu einem Symbol der Schöpfung und der immerwährenden Verjüngung. Er gehörte zu einem der beliebtesten Motive in allen altägyptischen Bildgattungen und Epochen. Zudem ist aus bildlichen Quellen bekannt, dass Blütengirlanden bei festlichen Angelegenheiten als Dekor um die Gefäße gelegt wurden. Die aufgemalten Lotusketten auf den Vorratsgefäßen sind daher als bildliche Umsetzung solcher real aufgelegten Blütenzierden zu verstehen, die nicht verblühen.
(I. Liao)


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