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Stele mit Darstellung eines syrischen Söldners beim Weintrinken
  • Stele mit Darstellung eines syrischen Söldners beim Weintrinken
  • Relief (Stele)
  • Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
    Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
  • Amarna (Ägypten / Mittelägypten)
  • Kalkstein (Material / Stein); grundiert, bemalt
  • 29,7 x 23,5 x 3 cm
  • Ident.Nr. ÄM 14122
  • Sammlung: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung | Ägyptisches Museum
  • © Foto: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Sandra Steiß
Description
Der kleine Gedenkstein eines Soldaten namens Terura und seiner Frau Arbura stammt vermutlich aus Amarna, dem antiken Achet-Aton. Die geringe Größe sowie die schlichte Rahmung des Gedenksteins in Form eines Türdurchgangs mit oberem Hohlkehlen-Abschluss sowie die gänzlich profane Darstellung einer häuslichen Szene schließen eine Verwendung als Grabstele aus und verweisen auf eine Aufstellung im häuslichen Bereich. Da ähnlich kleinformatige Stelen insbesondere aus Amarna, der Residenzstadt des Königs Echnaton und seiner Gemahlin Nofretete, bekannt sind und im familiären Ahnenkult eine Rolle spielten, dürfte die Herkunft als relativ gesichert gelten.
Die außergewöhnliche Darstellung eines sitzenden, syrischen Soldaten, der sich vollkommen entspannt mithilfe eines Trinkrohrs am Wein labt, hat die kleine Stele schon vor langer Zeit zu einem besonders beliebten und viel beachteten Objekt werden lassen. Allerdings ist die häufig zu lesende Bezeichnung „Bier trinkend“ irreführend, da es sich bei dem mit einer Blumengirlande geschmückten Gefäß, das in einem hohen Gefäßständer steht, eindeutig um eine Weinamphore handelt. Geknickte Trinkrohre dieser Art sind aus dem vorderasiatischen Raum bekannt und waren auch in Ägypten verbreitet. Funde belegen, dass sie häufig aus Blei gefertigt waren. Terura ist aufgrund seiner Tracht eindeutig als Syrer gekennzeichnet, wozu neben dem mit einem Stirnband gebändigten, vollen Haar und dem charakteristischen Vollbart auch der bunte, quastenbesetzte Schurz gehört. Besonders signifikant und leicht überzeichnet sind auch die Gesichtszüge mit der gewölbten Stirn, den hervortretenden Wangenknochen und der kleinen gebogenen Nase. Sowohl der Dolch in seinem Gürtel als auch die senkrecht aufgesteckte Lanze hinter dem Stuhl kennzeichnen ihn als Soldaten. Syrische Söldner waren im Neuen Reich in beträchtlicher Zahl in die ägyptischen Truppen integriert. Teruras Frau trägt zwar ebenfalls einen ausländischen Namen, ist aber vollkommen wie eine ägyptische Dame mit langem, fließendem Leinengewand bekleidet und mit typischer Haartracht dargestellt. Da alle Personen und auch die Weinamphore mit einem Blütenkranz bzw. mit Halskrägen geschmückt sind, darf man das Ensemble in einen festlichen Kontext einbetten, was auch gut zur intendierten Ahnenverehrung passt, die insbesondere an Festen praktiziert wurde.
(F. Seyfried)


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