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Gipsmodellkopf eines Mannes
  • Gipsmodellkopf eines Mannes
  • Bildhauermodell (Kleinkunst / Modell)
  • Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG), Auftraggeber
    Borchardt, Ludwig (5.10.1863 - 12.8.1938), Grabungsleiter
  • Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
    Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
  • P 47.02 (Ägypten / Mittelägypten / Amarna / P 47 / P 47.01-03 (Anwesen))
    Raum 19
  • Gips (Material); bemalt
  • 27 x 13,5 x 11 cm
  • Ident.Nr. ÄM 21350
  • Schenkung James Simon, 1920
  • Sammlung: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung | Ägyptisches Museum
  • © Foto: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Sandra Steiß
Description
Dieser ausdrucksvolle Gipsabguss zeigt die Porträtstudie eines Mannes, welcher in der Literatur häufig mit Eje, dem späteren Pharao, assoziiert wurde. Diese Zuweisung ist allerdings rein spekulativ und entbehrt belastbarer Grundlagen, da der als Vergleich herangezogene kleine Königskopf im Ägyptischen Museum Kairo (JE 37930) ebenfalls keine namentliche Identifizierung zulässt. Die Studie, die bis zur Halspartie in allen Details durchmodelliert ist, wurde ohne Ohren gefertigt und weist eine glatte, rückwärtige Fläche auf. Der kleine Wulst rechts oberhalb der hohen Stirn stammt von dem aus der Form leicht übergequollenen Gipsmaterial. Bei genauer Betrachtung der Oberfläche dieses Abgusses lassen sich einige erstaunliche Beobachtungen machen, die hier kurz zusammengefasst werden sollen: Der sehr symmetrische Aufbau des Gesichts und die erstaunlich glatte Oberfläche des Gipses im Vergleich zu vielen anderen Abgüssen, haben bereits Günther Roeder und andere Wissenschaftler veranlasst, in dieser Studie einen „statuennahen“ Abguss zu vermuten. Dies würde bedeuten, dass eine bereits vorhandene Skulptur als „Positiv-Vorlage“ für die Form dieses Abgusses gedient hat. Ungeachtet der Frage nach der Vorlage ist festzuhalten, dass der gewonnene Abguss offensichtlich noch weiterer Überarbeitung bedurfte, deren Spuren nicht nur in der roten Bemalung erhalten geblieben sind, sondern sich auch in feinen Ritzungen der Krähenfüße am linken Auge erkennen lassen. Die feinen Furchen auf den Oberlidern und die parallel geschwungenen Stirnrunzeln stammen dagegen von der Vorlage. Auch die vertieften Augenhöhlen müssen bei der Positiv-Vorlage vorhanden gewesen sein und wurden wahrscheinlich am fertigen Abguss aufgefüllt, wobei dieser Arbeitsschritt nicht abgeschlossen wurde, da sich auf dem grob gespachtelten Gips noch einige rote Farbspuren befinden. Die kräftigen, roten Pinselstriche auf der Oberlippe markieren ebenfalls noch gewünschte Korrekturen. Die feine, senkrechte Kerbe, die leicht versetzt von der Gesichtsmitte über die Stirn bis zur Mitte des Nasenrückens verläuft, wurde häufig als Gussnaht interpretiert. F. Reither hat allerdings darauf hingewiesen, dass diese Naht wohl nicht von der Anpassung zweier Formschalen stammt, sondern bei der Abnahme einer erneut aufgelegten Tonform entstand, als man diese mit einem Messer vom dem vorhandenen Gipsabguss ablöste. Es kann daher vermutet werden, dass dieser Abguss nur als Zwischenschritt zur Gewinnung einer noch präziseren Gesichtstudie diente.
Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 312 (Kat.-Nr. 96).


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