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Porträtkopf der Kleopatra VII.
  • Porträtkopf der Kleopatra VII.
  • Kopf (Skulptur / Rundplastik / Rundplastik, weiblich)
  • 3. Viertel 1. Jh.v.Chr.
    Genauer: um 50 – 38 v.Chr.
  • Fundort: Via Appia (Italien / Latium / Rom)
  • Marmor (Reste einer Goldgrundierung im Haar), weiß, leicht gelblich, großkristallin
  • Objektmaß: 29,5 x 16 x 22,5 cm
  • Ident.Nr. 1976.10
  • Sammlung: Antikensammlung
  • © Foto: Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Johannes Laurentius
Beschreibung
Die etwas unterlebensgroße Büste einer jungen Frau entspricht Münzen von Kleopatra VII., aus Alexandria ab 51 v. Chr. und aus Askalon/Palästina ab 49 v. Chr. Die leichte Kontraktion ihrer rechten Gesichtshälfte samt den Achsen von Augen- und Wundwinkeln deuten eine geringe Neigung zu ihrer rechten Seite an. Das zarte Gesicht kennzeichnen die großen Augen unter weit geschwungenen Brauen, die in die lange spitze Nase überleiten, und die bogenförmige Lippenspalte mit deutlich vollerer Unterlippe über dem festen Kinn. Ausgeprägte Nasenflügel und hoch gezogene Mundwinkel steigern den energischen Ausdruck. Die gewellten Haare sind beiderseits des Mittelscheitels in je vier eingedrehten Strähnen nach hinten geführt und zu einer Schlaufe eingeschlagen; diese ›Melonen‹-Frisur ergänzt ein kleiner Bausch über der Stirn; flache Hakenlöckchen rahmen Stirn, Schläfen und Nacken. Die breite Königsbinde umschließt den Oberkopf und verjüngt sich unter dem Nackenknoten. Das idealisierte Berliner Bildnis war einst vermutlich in eine Gewandstatue eingesetzt. Kürzlich äußerte C. Vorster die Vermutung, die Büste sei zum Einsetzen in einen Tondo oder ein figürliches Relief gearbeitet worden.
Als Tochter des ägyptischen Königs Ptolemaios XII. Auletes im Jahr 69 v. Chr. in Alexandria geboren, bestieg Kleopatra achtzehnjährig gemeinsam mit ihrem zehnjährigen Bruder Ptolemaios XIII. den Thron. Sie versuchte, die über Jahrtausende führende Herrschaft Ägyptens vor dem Zugriff des aufstrebenden Imperium Romanum zu retten. Hoch gebildet und zielstrebig, geistreich und sprachgewandt, von starker persönlicher Ausstrahlung, gewann sie 48 v. Chr. den römischen Feldherr C. Julius Caesar; er legitimierte ihre Regentschaft und den gemeinsamen Sohn Kaisarion. Bei ihrem Besuch in Rom hielt sie als ägyptische Königin Hof in einem Hause Caesars und erregte den Argwohn der Republikaner. Caesars Ermordung am 15. März 44 setzte ihren Plänen ein jähes Ende. Es ist wenig wahrscheinlich, dass ihr Porträt in den folgenden Machtkämpfen zwischen Marcus Antonius und Octavian/Augustus bis zu ihrem Tod nach dem Fall von Alexandria am 1. August 30 v. Chr. in der Umgebung von Rom aufgestellt wurde.
Bereits 1784 war in der Villa der Quintilier an der Via Cassia nördlich von Rom die Einsatzbüste einer ptolemäischen Königin in natürlicher Größe gefunden und von Papst Pius VI. erworben worden (Rom, Mus. Vaticani, Mus. Gregoriano Profano Inv. 179); die fehlende Nase wurde damals sehr ähnlich der bei Kat. 44 erhaltenen ergänzt, obwohl erst Ludwig Curtius (1933, 182–192) den Kopf im Vatikan als Bildnis der Kleopatra VII. identifizierte: Somit haben sich vermutlich beide Köpfe zu Ende des 18. Jhs. in Rom befunden.

G. Platz-Horster, Porträtkopf der Kleopatra VII. (1976.10), in: Bestands-Kat. 1, 66–68 Kat. 45


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