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Porträt der Arsinoe II.
  • Porträt der Arsinoe II.
  • Kopf (Skulptur / Rundplastik / Rundplastik, weiblich)
  • Mitte 3. Jh.v.Chr.
    Genauer: 278 – ca. 240 v. Chr.
  • Fundort: Alexandria? (Ägypten)
  • Marmor, weiß großkristallin
  • Höhe: 30 cm
    Höhe x Breite x Tiefe: 40,5 x 14,5 x 18 cm
  • Ident.Nr. 1976.11
  • Sammlung: Antikensammlung
  • © Foto: Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Description
Der Kopf ist schmal proportioniert. Die Brauen betonen ebenso wie die auffallend schmalen Augen die Waagerechte. Der Nasenkontur ist fast gerade, ohne Einziehung an der Nasenwurzel, aber insgesamt leicht konkav, der Nasenrücken flächig. Der Mund hat ein ausgeprägtes, durch eine Bohrung betontes Philtrum, die Mitte der Oberlippe hängt nach unten, ebenso die äußeren Partien der Oberlippe, die Linie der Mundspalte zieht sich über den eigentlich Mundkontur hinaus nach außen und oben. Der lange Hals hat leichte Venusringe.
Die genannten Formen der Nase und des Mundes sind von Helmut Kyrieleis (1975, 82) als entscheidende Kennzeichen der Porträts der Arsinoe II. beschrieben worden, deren identifizierte Porträts sich im Übrigen in der Proportionierung, den Augenformen und der plastischen Ausführung erheblich voneinander und vom Kopf in Berlin unterscheiden (Kyrieleis 1975, 78–94 Taf. 72–81; Krug 1983, passim). Auf die Ähnlichkeit mit den Porträts dieser Königin wurde schon in der ersten Erwähnung des Berliner Porträts hingewiesen. Zwar birgt die Argumentation mit diesen Merkmalen Unsicherheiten. Arsinoe II. wurde zur paradigmatischen Königin und für sie typische ikonographische Schemata fanden auch in den Darstellungen späterer Königinnen Verwendung (Kyrieleis 1975, 78. 86). Dies könnte auch für physiognomische Einzelheiten gelten. Darüber hinaus konnten diese auch zu Modeformeln werden: Die Mundform kehrt z. B. bei der Sirene aus dem Serapeion von Memphis (Lauer – Picard 1955, Taf. 2) wieder. Da das Berliner Porträt aber die charakteristische Form von Nase und Mund hat und auch der Stil des Kopfes ins frühere 3. Jh. v. Chr. weist, ist wahrscheinlich Arsinoe II. selbst dargestellt. Die Bedeutung der Wulstbinde im Haar ist unklar, denn das Herrscherdiadem ist ein flaches Band.
Das Porträt stellt sehr wahrscheinlich Arsinoe II. (reg. in Ägypten 278–270 v. Chr.) dar. Der Kult der Königin wurde nach ihrem Tod eingerichtet und war von langer Dauer. Zu einer Datierung in die Lebenszeit der Arsinoe oder das folgende Drittel des Jahrhunderts passt die ausgesprochene Betonung der Waagerechten in der Augenzone, die an die strengen, geometrisch konstruierten Formen vieler Werke des früheren 3. Jhs. v. Chr. erinnert.

M. Bergmann, Porträt der Arsinoe II. (1976.11), in: Bestands-Kat. 1, 58 f. Kat. 40


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